Lesetipps

 

                                                     

Der Meister und Margarita

Michail Afanassjewitsch Bulgakow wurde in Kiew geboren, studierte dort Medizin und war unter anderem  in der Roten Armee als Militärarzt tätig. 1921 zog er nach Moskau und schrieb für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften Artikel und Reportagen.

Er war dreimal verheiratet und Mitglied des Allrussischen Schriftstellerverbandes.

 

Als „Der Meister und Margarita“ endlich 30 Jahre nach Bulgakows Tod erschien, war er im Handumdrehen vergriffen.

Zum einen war er verboten und zum anderen ist er ein wirkliches Meisterwerk, das jeder haben wollte und so kam es, dass es handschriftliche Abschriften des fast 500 Seiten umfangreichen Buches gab.

Eine geniale Art den Teufel und das Volk über Jahrtausende bis in die Gegenwart Moskaus der 30iger Jahre darzustellen.

Der Meister aller Mephistoromane, Johann Wolfgang Goethe, hätte sicher nicht wenig gestaunt über seinen Kollegen.

Der Unbekannte, der den Chefredakteur Berlioz  und den  Schriftsteller Besdomny an den Moskauer Patriarchenteichen in Schrecken versetzt, behauptet bei dem Verhör von Joshua von

Nazareth dabei gewesen zu sein. Daraufhin halten die beiden ihn für einen Irren.

Der Unbekannte beweist ihnen, dass er wahrmachen kann, was er voraussagt. Die Voraussagung, dass Berlioz noch am selben Tag den Tod unter einer Straßenbahn findet, tritt tatsächlich ein

und macht Besdomny klar,  dass der Unbekannte wirklich der Teufel ist. Besdomny erzählt diese Begegnung überall, man glaubt ihm nicht und zuletzt wird er in eine Heilanstalt eingewiesen.

Weil er eine haarsträubende Geschichte über Pontius Pilatus geschrieben hat, sitzt in dieser psychiatrischen Anstalt auch ein Schriftsteller, der sich Meister nennt.

Margarita, seine Geliebte beteuert vergeblich, dass er wachen Verstandes ist.

Daraufhin lässt sie sich mit dem Teufel ein, um den Meister zu retten.

Der Unbekannte, oft in Begleitung des riesigen Katers Behemoth, welcher sich auch verwandeln kann, bringt die Moskauer in Angst und Schrecken. In einer Varietéveranstaltung lässt er unter

seiner Hypnose die ungewöhnlichsten Dinge abspielen und die Moskauer Damenwelt halbnackt nach Hause gehen.

Bulgakow reist zwischen Phantasterei, Satire und Staatskritik hin- und her. Der Teufel ist allerdings nicht immer der alleinige Böse!

Das wäre ein Buch, welches man auf die berühmte einsame Insel mitnehmen sollte.

Warum? Man muss es mehrmals lesen, um die Feinheiten zu erfassen und um das Lesevergnügen zu genießen.

 

Michails Bulgakows „Der Meister und Margarita“, erschienen bei verschiedenen Verlagen,

in sehr guter Übersetzung von Thomas Reschke.

Der mdr brachte ein Hörbuch heraus, welches erstklassig von bekannten Schauspielern gelesen wird.

 

 

 

Das Herzenhören     von  Jan Philipp Sendker

Jan Philipp Sendker war für den „Stern“ jahrelang in Asien und Amerika tätig.  Wenn jemand mit der Erfahrung Bücher schreibt, welche in diesen Ländern ihre Schauplätze haben, dann sollte man sie nicht weglegen. Nach „Das Herzenhören“ schrieb er weitere Romane, die teils in Asien angesiedelt sind.  Der Titel klingt  leicht, lässt an einen Liebesroman üblicher „Bauart“ denken. Weit gefehlt! Seine Liebesgeschichte ist poetisch, geheimnisvoll, leise und zart. In Birma lieben sich zwei junge Leute, er blind und sie kann nicht laufen. Ungewollt auseinandergerissen, bleiben beide innig verbunden. Kein Tag ohne Sehnsucht nach dem anderen. Doch Klischee? Und noch einmal: weit gefehlt. Ich habe hier ein wenig im Romanablauf vorgegriffen, ohne zu verraten. Der Beginn spielt in New-York, wo eine junge Anwältin auf einen alten Liebesbrief ihres Vaters stößt. Der hatte Jahre zuvor die Familie von einem Tag zum anderen  verlassen. Lassen Sie sich ein, eine der wundervollsten Geschichte zweier Menschen zu erfahren, um Ihr Herz zu hören.

 

 

 

 

 

Die schöne Frau Seidenmann    von  Andrzej Szczypiorski

Eine außergewöhnliche Art über die Verhältnisse 1943 bis 1945 in Warschau während der deutschen Besatzung zu schreiben. Rückschauend erzählt ein alter Mann wie Frau Seidenman, eine Jüdin, von einem Juden denunziert und daraufhin verhaftet wird. Die Rettung der schönen Frau Seidenmann erfolgt durch einen Deutschen. Alle anderen Protagonisten sind  vielschichtig, teils humorig beschrieben. Die Polen sind im Roman in diesen Jahren durchweg charakterlich positiv. Szczypiorski deutet ihr zukünftiges Schicksal an, relativiert in den nächsten Sätzen ihr weiteres Leben jedoch wieder. Das macht u.a. den Roman so interessant, weil man nicht wissen kann, ob eine Lebenssituation so oder so ausgeht. Das ist nur eine der unsentimentalen Erzählideen des Autors. Szczypiorski 1928 in Warschau geboren, am Warschauer Aufstand 1944 beteiligt, weiß was er schreibt. Die Rettung einer Jüdin durch einen Deutschen kann nur ein Pole erzählen.     Auch der Pianist Wladyslaw Spzilman beschrieb, wie er durch den Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld in den letzten Tagen des Krieges gerettet wurde.

Die Grausamkeiten während der deutschen Besatzung ließen Szczypiorski zu dem Schluss kommen, dass Gott abwesend sei, da er in dieser Zeit nicht eingegriffen habe. Die Rückschau in Szczypiorskis Roman macht in den Jahren 1968 in der polnischen Republik Halt. Eine nicht gerade rühmliche Zeit über den Umgang des kommunistischen Polens mit ihren jüdischen Landsleuten. Am Ende des Buches, fast unmerklich, weil nur etwa zwei Seiten lang, wird beschrieben, wie israelische Soldaten breitbeinig, in bekannter Manier Überlegener,  mit dem Finger am Abzug eine Gruppe palästinensischer Fedajin  bedrohen.

Andrzej Szczypiorski starb 2000 in Warschau. Er erhielt zahlreiche  Literaturpreise und das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Schon früh  setzte er sich für die deutsch-polnische Aussöhnung ein.

 

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