Lesetipps

 

                                                      Die langen Winterabende und die kuschligen Sonntagnachmittage kommen – Zeit zu lesen.

                                                      Neues oder auch ein Buch einmal wieder lesen. Ich habe drei Empfehlungen für Sie.

 

 

Eine Familie in Deutschland – Am Ende die Hoffnung    von  Peter Prange

Da ist er nun, der zweite Band der Familiengeschichte aus dem Wolfsburger Land.
Immer wieder ist man gespannt über Familienschicksale aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu lesen. Hat man die Erzählungen der Eltern bzw. Großeltern vor Augen? Wie konnte eine Familie zusammenhalten, wenn die politischen Einstellungen konträr zueinander waren? Oder zerbrach sie daran? Gefahren und Ängste jener Jahre werden von Peter Prange wieder historisch präzise und doch sehr persönlich geschildert. Lesen Sie selbst, wie es mit der Familie Ising weitergeht. Ich bin sicher, sie legen das Buch ungern aus der Hand.

 

 

 

 

 

 

 

Das Herzenhören     von  Jan Philipp Sendker

Jan Philipp Sendker war für den „Stern“ jahrelang in Asien und Amerika tätig.  Wenn jemand mit der Erfahrung Bücher schreibt, welche in diesen Ländern ihre Schauplätze haben, dann sollte man sie nicht weglegen. Nach „Das Herzenhören“ schrieb er weitere Romane, die teils in Asien angesiedelt sind.  Der Titel klingt  leicht, lässt an einen Liebesroman üblicher „Bauart“ denken. Weit gefehlt! Seine Liebesgeschichte ist poetisch, geheimnisvoll, leise und zart. In Birma lieben sich zwei junge Leute, er blind und sie kann nicht laufen. Ungewollt auseinandergerissen, bleiben beide innig verbunden. Kein Tag ohne Sehnsucht nach dem anderen. Doch Klischee? Und noch einmal: weit gefehlt. Ich habe hier ein wenig im Romanablauf vorgegriffen, ohne zu verraten. Der Beginn spielt in New-York, wo eine junge Anwältin auf einen alten Liebesbrief ihres Vaters stößt. Der hatte Jahre zuvor die Familie von einem Tag zum anderen  verlassen. Lassen Sie sich ein, eine der wundervollsten Geschichte zweier Menschen zu erfahren, um Ihr Herz zu hören.

 

 

 

 

 

Die schöne Frau Seidenmann    von  Andrzej Szczypiorski

Eine außergewöhnliche Art über die Verhältnisse 1943 bis 1945 in Warschau während der deutschen Besatzung zu schreiben. Rückschauend erzählt ein alter Mann wie Frau Seidenman, eine Jüdin, von einem Juden denunziert und daraufhin verhaftet wird. Die Rettung der schönen Frau Seidenmann erfolgt durch einen Deutschen. Alle anderen Protagonisten sind  vielschichtig, teils humorig beschrieben. Die Polen sind im Roman in diesen Jahren durchweg charakterlich positiv. Szczypiorski deutet ihr zukünftiges Schicksal an, relativiert in den nächsten Sätzen ihr weiteres Leben jedoch wieder. Das macht u.a. den Roman so interessant, weil man nicht wissen kann, ob eine Lebenssituation so oder so ausgeht. Das ist nur eine der unsentimentalen Erzählideen des Autors. Szczypiorski 1928 in Warschau geboren, am Warschauer Aufstand 1944 beteiligt, weiß was er schreibt. Die Rettung einer Jüdin durch einen Deutschen kann nur ein Pole erzählen.     Auch der Pianist Wladyslaw Spzilman beschrieb, wie er durch den Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld in den letzten Tagen des Krieges gerettet wurde.

Die Grausamkeiten während der deutschen Besatzung ließen Szczypiorski zu dem Schluss kommen, dass Gott abwesend sei, da er in dieser Zeit nicht eingegriffen habe. Die Rückschau in Szczypiorskis Roman macht in den Jahren 1968 in der polnischen Republik Halt. Eine nicht gerade rühmliche Zeit über den Umgang des kommunistischen Polens mit ihren jüdischen Landsleuten. Am Ende des Buches, fast unmerklich, weil nur etwa zwei Seiten lang, wird beschrieben, wie israelische Soldaten breitbeinig, in bekannter Manier Überlegener,  mit dem Finger am Abzug eine Gruppe palästinensischer Fedajin  bedrohen.

Andrzej Szczypiorski starb 2000 in Warschau. Er erhielt zahlreiche  Literaturpreise und das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Schon früh  setzte er sich für die deutsch-polnische Aussöhnung ein.

 

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